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![[Süddeutsche Zeitung]](bilder/sueddeutsche.gif)
Private, berufliche oder politische
Geschichten erwünscht
Zwei Verleger suchen Gescheiterte
für einen Sammelband des Untergangs
Nur Sieger stehen im Mittelpunkt, die im
Dunkeln sieht man nicht? Zwei Verleger vom Niederrhein
wollen das ändern: Sie suchen für einen Sammelband die
Gescheitertsten der letzten Jahre.
Im Sommer 2000 sorgten die beiden Verleger und Komponisten
Heiner Frost (44) und Andreas Daams (30) für rechtes
Aufsehen am linken Niederrhein. Damals hatte die Stadt
Kleve einen "1. Internationalen Wettbewerb Musik in
Europäischen Gärten" ausgerufen, um ihr bis dahin
weitestgehend unbekanntes Dasein als Metropole moderner
Musik an die, Verzeihung, große Glocke zu hängen.
Ausgetragen wurde der Wettbewerb in Form einer
"Klangbepflanzung"
des Parks vor dem Beuys-Museum.
Aus diesem Anlass ritt die beiden niederrheinischen
Tonsetzer der Teufel: "Wir
wollten sehen, ob eine Jury hochgeschätzter Komponisten
verarscht werden kann", so Frost. Drum schufen sie - mit
Computerprogramm und Zufallsgenerator sowie völlig
inhaltsleer - ein Stück für zehn Trompeten, zehn Congas,
acht Piccoloflöten und einen Signalgeber und
versahen die Partitur mit einem Vorwort aus Unsinn ("Ein
Park ist nur so schön wie die Seelen der darin
Befindlichen"). Es kam, was kommen musste: Die Juxpartitur
bekam einen Sonderpreis. Nachdem das öffentlich wurde,
fand dann doch lieber kein Klever
Musik-in-Gärten-Wettbewerb mehr statt.
Nun dringen die beiden abermals in die Öffentlichkeit, und
diesmal ist es ernst gemeint. Sie wollen eine "Anthologie
des Scheiterns" herausgeben, weil "nur Sieger abgefeiert
werden und die andern untergehen". Dabei sei es unwichtig,
ob Teilnehmer privates, berufliches, politisches oder
künstlerisches Scheitern beschreiben. Da der Wettbewerb
erstmals stattfinde, sei es auch unwichtig, wann jemand
gescheitert sei.
"Wir wollen nicht anderer Leute Untergang ausnutzen", sagt
Heiner Frost: "Es wird auch nicht 30 Geschichten des
Scheiterns hintereinander geben, sondern wir gucken: Wie
kommt das zustande?" Außerdem seien "Tragödien die
schönsten Geschichten, wenn sie erst einmal emotional oder
materiell verarbeitet sind". Einsendeschluss ist der 31.
Mai, eine Veröffentlichung kann auch anonym erfolgen.
Bisher liegen rund 40 Einsendungen vor, darunter
interessanterweise fast die Hälfte aus Österreich.
Die Jury des Klever Musik-Wettbewerbs hat ihre Geschichte
allerdings noch nicht eingereicht.
HUBERT WOLF
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